Vom Dunkel ins Licht
Antike hebräische Texte können wieder lesbar gemacht werden
Nicht alles, was vergessen scheint, ist tatsächlich vergessen. Und manches, was man im Dunkel der Geschichte verloren glaubt, kommt doch wieder ans Licht. Diese schöne Erfahrung machen Wissenschaftler derzeit an der Ben-Gurion-Universität im israelischen Beer Sheva.
Es sind Fachleute, die sich mit sehr alten Schriftdokumenten befassen. Viele der antiken Pergamentschriften sind im Laufe der Jahrhunderte verblasst und nicht mehr lesbar. Zum Teil wurde eine Schrift auch abgeschabt und das Pergament neu mit arabischen Schriftzeichen beschrieben. Solche so genannten Palimpseste können jederzeit durch die Zusammenarbeit mit Informatikern teilweise wieder lesbar gemacht werden.
Um die hebräischen Schriftzeichen, die mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen sind, wieder zu entziffern, bedienen sich die Wissenschaftler eines Schwellenwertverfahrens. Bei dieser Methode, die aus der digitalen Bildbearbeitung kommt, wird jedem Bildpunkt ein eindeutiger Schwarz- oder Weisswert zugeordnet. Unterhalb einer definierten Helligkeitsschwelle wird der Punkt schwarz, darüber weiss. Dadurch entsteht zunächst ein extrem kontrastreiches Bild. Mit der so genannten Inpainting-Technik werden dann fehlende, verloren gegangene Schriftanteile rekonstruiert.
Mit diesem Verfahren werden normalerweise alte Filme rekonstruiert, werden Flecken, Laufstreifen und Kratzer ausgeglichen.
Die Wissenschaftler entwickelten spezielle Algorithmen, die auf hebräische und arabische Schriftzeichen passen. Die ersten Versuche machten die Wissenschaftler mit einem Dokument, das 1890 in der Ben-Esra-Synagoge in Kairo entdeckt wurde und das etwa 200 000 Schriftstücke seit der Zeit um 800 nach Christus enthält. Die israelischen Wissenschaftler planen ein Open Source Projekt, mit dem Forscher in aller Welt antike Manuskripte analysieren können.
(factum Magazin 8/2009)