Shalom Umherwandernde,
um ein altes Vorurteil zu gebrauchen, ist ein Jude ein Umherwandernder. Aber soviel ich weiß, stammt aus der kananäischen Zeit der Ausdruck Habiru, Ivri, Wandernder, heute Hebräer, damit sind Nomaden gemeint. Avraham war ein Nomade. Dieser Ausdruck findet sich in dem Buch "Sinuhe, der Ägypter". Erst die Nazis haben aus dem Wort ein Schimpfwort gemacht.
Sollte da unterschwellig etwas vorhanden sein bei Dir? Spass beiseite.
Egal, ich liebe Deine Zurückhaltung Deinem Papa gegenüber. Wie Du für eine für Dich wichtige Frage ihm keinen Schmerz machen möchtest. Darauf ruht der Segen des Allmächtigen.
Welche Deiner Großmütter war Jüdin? Die des Vaters oder der Mutter? Sollte die Mutter Deiner Mutter Jüdin gewesen sein, ist die Frage schon geklärt. Du bist auch eine. Wenn es die Mutter Deines Vaters war, bist Du keine. So einfach ist das. So lautet das jüdische Gesetz: Jüdische Mutter oder Übertritt zum Judentum. Mütter erziehen die Kinder, auch im Glauben. So habe ich es in Israel gelernt, als ich selber vor der Frage stand. Mir sagte ein Rabbi, der von meinem christlichen Glauben wusste, es würde mir sehr schwer fallen, Jüdin zu werden, denn es bedeute, dass ich dann allem bisher Geglaubten abschwören müsste. Ich konnte nicht.
Überlege mal, welche Namen Deine Vorfahren trugen, klingen sie vielleicht irgendwie jüdisch? Rosenzweig, Ginsburg oder...
Vielleicht kannst Du in dem kleinen Dorf Leute finden, die noch Erinnerungen haben an Eure Vorfahren?
Du kannst Dich auch an das Archiv in der Neuen Synagoge Berlin, Oranienburger Straße, wenden. Die haben dort die meisten gefundenen Unterlagen. Oder auch an die Bibliothek der Jüdischen Gemeinde Berlin-Charlottenburg, Fasanenstraße.
Ansonsten, auch wenn nur "ein Teil von Dir" jüdisch ist, hast Du ein Recht auf Einwanderung. Möglicherweise werden Dich fromme Juden fragen, wie weit Dein Judesein reicht. In Israel immer bei so etwas die Wahrheit sagen, wird immer und überall vorbehaltlos und liebevoll anerkannt. Wenn Du nur über Deinen Papa jüdisch bist, musst Du vor einer Heirat erst zum Judentum übertreten. Das dauert ca. 6 Monate, aber Du hast ja mit Deinen eigenen Worten eine halbjüdische Erziehung, es wird Dir nicht schwer fallen. Trauungen werden in Israel vom Rabbiner durchgeführt, der traut keine Mischehe. Standesamt gibt es nicht. Wenn Du als Jude einen Nichtjuden heiraten willst, kannst Du das nur im Ausland.
Ich wünsche Dir, dass Du Deinen Weg und Frieden findest. Sei gegrüßt von
Sigrid