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neuer Beitrag 14.07.2008 18:23
  Josef
184 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

 

Paraschat Balak

Diese Woche in der Tora (Num. 22,2-25,9):
Balak, König von Moaw, fürchtet Invasion der Kinder Israels und lässt Bil'am, den nichtjüdischen Propheten, kommen, um durch dessen Flüche das Schicksal abzuwenden; auf der Reise misshandelt Bil'am seine Eselin, und sie beschwert sich; auf G~ttes Befehl segnet Bil'am die Israeliten, statt zu verfluchen, zu Balaks Missfallen; das Volk macht sich an die Moabiterinnen ran, göttliche Strafung durch Seuche; Pinchas, Enkel Aharons, beendet das Treiben durch Aufspießen des Anführers und seiner midjanitischen Gefährtin.
 

Drei Mal versuchte Bil'am das Volk Israel zu verfluchen und setzte zu diesem Zwecke seine ganze Begabung und seine ganze Genialität auf dem Gebiete der Bosheit ein. Doch musste er feststellen, dass G~tt an diesen Tagen nicht zürnte, "wie mag ich verwünschen, wenn G~tt nicht verwünscht, und wie schelten, den der Ewige nicht schilt?" (Num. 23,8), "denn es ist keine Zauberei in Jakov, und keine Wahrsagerei in Israel" (V.21). Im Gegenteil, G~tt verwandelte seine Flüche in Segen, und daher das Gebot, uns an die Wohltaten G~ttes zu erinnern, wie es in der Haftara zu unserem Wochenabschnitt heißt: "Mein Volk, bedenke doch, was Balak, Moaws König beschlossen, und was Bil'am, Sohn Beor ihm erwidert!... Von Schittim bis Gilgal; - um zu erkennen die Gnaden des Ewigen" (Micha 6,5). Bei den Sefardim gehört diese Sache zu den zehn Dingen, an die man sich jeden Tag erinnern sollte (im Sidur am Ende des Morgengebetes aufgelistet).

Am Ende des Wochenabschnittes jedoch nützen uns all die Segnungen nichts und es gelingt Bil'am, uns auf furchtbare Weise zu schlagen. 24000 Israeliten sterben wegen seines Ratschlags, die Juden mit den Töchtern Moaws zur Sünde zu verleiten: "Sagte Bil'am zu Balak: der G~tt dieser Nation hasst Unzucht; stellt eure Töchter für Unzucht zur Verfügung, dann werdet ihr sie beherrschen" (Talmud jeruschalmi, Sanhedrin 10,2). Von hier lernen wir die Strenge der verbotenen Beziehungen, denn alle unsere Verdienste jener Tage, als G~tt uns nicht zürnte und keine "Zauberei" bei uns erblickte, waren im Moment vergessen, als das Volk bei den verbotenen Beziehungen und Unzucht versagte, und eine furchtbare Strafe auf dem Fuße folgte. Darum wurde uns gleich danach geboten, damit wir uns an diesen Ratschlag erinnern, "und was fordert der Ewige von dir, als: auf Recht halten, Liebe üben, und sittlich wandeln vor deinem G~tte" (Micha 6,8), und im Midrasch Psikta rabati (§46): "Nichts hat G~tt lieber als die Sittlichkeit, wie es heißt: und sittlich wandeln vor deinem G~tte". 

"So sind die Reinheit und die Sittlichkeit in ganz besonderer Weise das Gegenteil von der Schamlosigkeit und der Frechheit, die der Unreinheit der Völker zugehören. Die besonderen jüdischen, innerlichen und äußerlichen Charaktereigenschaften sind Sittlichkeit, Feinfühligkeit und Schamhaftigkeit... es stimmt wohl, dass die Sittlichkeit durch zahlreiche Gesetze definiert wird, doch vor ihnen kommt die grundsätzliche Eigenschaft israelitischer Sittlichkeit, dem Gegenteil der Unreinheit der Völker... die israelitische Feinfühligkeit steht in absolutem Gegensatz zu Frechheit und grob-primitiver Schamlosigkeit..." (Gespräche, Rabbiner Zwi Jehuda Kuk, Wajikra S.174) - die Sittlichkeit gehört zum Wesen jüdischer Natur. Weiter schrieb er: "Am Ende dieser unserer Tage werden jene israelitische Reinheit und Sittlichkeit in all ihrer wachen Widerstandskraft und exakten Verantwortlichkeit gesunden Bewusstseins einander folgenden Generationen und Heiligkeit ewigen Lebens, das uns eingepflanzt wurde, wieder erstehen, und diese Heiligkeit wird das vollständige, das individuelle und das öffentliche Antlitz des erlösten Israels offenbaren, das wieder ersteht und im Lande seines Erbteils lebt" (Lenetiwot Israel, S.279).

Wollen wir uns alle vornehmen, die Wahrung der Sittlichkeit in unserem täglichen Leben zu verstärken, im Hause und draußen, in diesen Tagen, in denen der Sommer seinen Höhepunkt erreicht, in denen die großen Ferien vor der Tür stehen, und durch dieses Verdienst wird uns das Eintreffen aller Segen Bil'ams vergönnt sein, bis hin zu: "er streckt sich wie Löwe und Löwin, wer hieße ihn aufstehen?" (Gen. 49,9), und "die dir fluchen, seien verflucht, und die dich segnen, gesegnet!" (Gen. 27,29).

 
neuer Beitrag 14.07.2008 21:03
  Aviel
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

Hi Josef,

haja lecha chofesch???

Aviel

 
neuer Beitrag 15.07.2008 10:04
  Josef
184 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

 Aviel schrieb

Hi Josef,

haja lecha chofesch???

Aviel

Hi Aviel

Tja wie gesagt ich war verreist.

LG

Halevi

 
neuer Beitrag 21.07.2008 14:36
  Josef
184 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

Paraschat Pinchas

 

 

Da Mosche die Tora nicht nur von G´tt erhalten sondern auch 40 Tage mit Ihm studiert hat, sollte man annehmen, dass er das Material voll beherrschte und keine weiteren Anfragen stellen musste.

In unserer Parascha finden wir allerdings eine der wenigen Situationen, wo Mosche nicht selbst entschied sondern nochmals beim Ewigen anfragte.

Die fünf Töchter von Zlofchad, eines kürzlich verstorbenen Juden kamen zu Mosche mit folgendem Anliegen: Da der Landbesitz im Heiligen Land stämme-weise, also über die Söhne vererbt wurde und sie keinen Bruder hatten, befürchteten sie (noch lange bevor sie im Heiligen Lande waren), dass der Landbesitz der Familie verlustig gehen würde und wollten das Land erben. Mosche entschied diese halachische Frage nicht allein sondern er  hielt Rat mit dem Ewigen.  Die Deuter dieser Stelle erklären aber – jeder auf seine Weise – dass es Mosche nicht an „know how“ gefehlt hat, sondern dass andere Gründe ihn bewogen haben, in diesem Fall bei G´tt nachzufragen.

Wir wollen hier nur eine Erklärung erwähnen: kurz vor dieser Anfrage gab es einen Aufstand von Korach, dem sich auch andere Männer angeschlossen hatten. Die Töchter Zlofchads betonten in ihrer Frage, dass ihr verstorbener Vater nicht unter den Kollegen des Aufrührers Korach war! 

Ein Richter muss unbefangen und objektiv entscheiden können. Mosche fühlte, dass die Erwähnung der Töchter, dass der Vater kein Gegner von Mosche war, dazu gedacht war, ihn günstig zu beeinflussen und entschied daher diese Frage nicht selbst sondern fragte beim Ewigen nach....

 

Schabbat Schalom

Halevi

 
neuer Beitrag 21.07.2008 17:02
  Davide
97 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

Shalom Halevi,möchte dir einmal danken das du dir hier soviel Mühe gibst jede Woche die Gedanken zur Wochenlesung hier hinzuschreiben denn auf die Thora zu weisen wird wohl auch sehr in der Zukünftigen Welt belohnt,und das lesen macht auch Spass ,die Gedanken die einem selber noch einfallen und es führt ja auch noch zum Handeln,also danke dir nochmal.

lg susanne

 
neuer Beitrag 24.07.2008 18:36
  Josef
184 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 
bearbeitet durch Josef  am 24.07.2008 18:50:30)

1) Paraschat Matot

Die Parascha Matot beginnt mit den Worten  „Und Mosche sprach zu den Stammhäuptern der Kinder Israels: Folgendes hat der Ewige befohlen: wenn ein Mensch dem Ewigen ein Gelübde tut oder eine Eid schwört, .... soll er sein Wort nicht brechen, ....“    Es folgen weitere Details zu den Geboten über Eidesleistungen.

 

Die Frage, die hier von den Toradeutern hier gestellt wird ist eigentlich „aufg´legt“:

Die Tora gilt ja für alle Juden, warum wurden die Bestimmungen über Eid und Schwur (nur) den Häuptern der Stämme mitgeteilt?

Eine Antwort ist, dass Leute in führenden Positionen noch mehr darauf aufpassen müssen, was sie sagen oder nicht sagen als andere. Wir kennen aus Vorwahlzeiten, dass Politiker sehr viel versprechen und später dann vieles doch nicht einhalten.  Daher die Anrede an die Stammesfürsten.

Für alle aber gilt: die Wahrheitspflicht gilt nicht nur für Sachen die man verspricht, sonder auch für alle Worte, die man spricht.

2)

Diese Woche in der Tora (Num. 30,2-32,42):
Selbstauferlegte Verbote, Vernichtung der Midjaniter und Aufteilung der Beute, Landzuteilung an die Stämme Gad und Re'uwen. 

Moscheh erhielt den Befehl von G~tt: "Befeindet die Midjaniter und schlaget sie. Denn feindselig sind sie euch durch ihre Arglist, die sie gegen euch erlistet, wegen Peor und wegen Kosbi der Tochter des Fürsten von Midjan ihrer Schwester" (Num. 25,17-18). Wie brachten die Midjaniter ihre Feindseligkeit Israel gegenüber zum Ausdruck? Indem sie ihre Töchter zur Unzucht frei gaben, und indem sie die Israeliten zu Götzendienst verleiteten. Darum befahl G~tt Moscheh vor dem Einzug ins Land: "Übe Rache für die Kinder Israels an den Midjanitern; danach sollst du versammelt werden zu deinen Stämmen" (Num. 31,2). Obwohl er verstand, dass sein Tod von diesem Krieg abhing, ging Moscheh mit Freude ans Werk und zögerte es nicht hinaus - und stellte die Armee zum Kriege auf, wie es heißt: "Rüstet von euch Männer zum Heere und sie sollen über Midjan ziehen, Rache des Ewigen an Midjan zu üben" (Num. 31,3) - denn wer gegen Israel ansteht, der ist als ob er gegen G~tt steht. Und so siegten die Israeliten im Krieg gegen Midjan: "Und sie rückten mit dem Heereszuge gegen Midjan, wie der Ewige dem Moscheh geboten, und erschlugen alles Männliche" (31,7) - aber dennoch zürnte Moscheh den Heeresführern: "Und Moscheh zürnte über die Vorgesetzten des Heeres... Und Moscheh sprach zu ihnen: Wie, die Frauen habt ihr alle leben lassen? Siehe, sie waren den Kindern Israels auf den Rat Bil'ams zur Verleitung zum Treuebruch am Ewigen wegen Peor, und es kam das Sterben über die Gemeinde des Ewigen" (V.15-16). Und worin bestand der Rat Bil'ams? "Selbst wenn ihr alle Heere der Welt gegen sie versammelt, werdet ihr sie nicht bezwingen können - außer durch Unzucht" (siehe Raschikommentar, nach Sanhedrin 106a). 

Nach dem Stand der Dinge führten wir beim Einzug in das Land Israel zwei Arten von Kriegen - den Krieg Jehoschuas zur Eroberung des Landes, und den voran gegangenen Krieg gegen Midjan, den Krieg gegen den Ratschlag des bösen Bil'am mit dem Ziel, das Volk Israel durch die Verbreitung einer Kultur der Unsittlichkeit zu schwächen. So steht es auch heute. Wir müssen an beiden diesen Fronten kämpfen. Die eine Front - gegen unsere Feinde, die uns ausrotten wollen. Dagegen müssen wir stark, vereint und einig sein, mit starker Armee und starker Wirtschaft. Und die zweite Front verläuft bei Erziehung und Kultur, nämlich der Kultur der Unsittlichkeit Bil'ams die jüdische Kultur gegenüber zu stellen, durch einen kulturellen und pädagogischen Wandel in Staat und Gesellschaft, durch Verscheuchen der Finsternis durch Mehrung des Lichtes - des Lichtes der Liebe, des Lichtes des Glaubens und des Lichtes der Sittlichkeit, der Reinheit des Herzens, der Reinheit der Augen und der Reinheit der Familie. Auf diese Weise werden sich an uns die Worte des Propheten Jecheskels erfüllen: "Und werde auf euch sprengen reines Wasser, und ihr werdet rein sein... und ich gebe euch ein neues Herz, und einen neuen Geist geb' ich in eure Brust" (36,25-26).

LG

Halevi

 
neuer Beitrag 25.07.2008 13:50
  georggati
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 
Josef schrieb;
“Die Formation bei diesen Raststätten wird in der Tora genau beschrieben, und zwar als ein Quadrat,
in dem sich die Stämme nach einer bestimmten Ordnung um das Stiftzelt gruppierten. Die Reiseformation
wird in der Tora eigentlich in zwei unterschiedlichen Versen beschrieben: An einer Stelle heisst es:
„... wie sie lagern, so ziehen sie; jeder an seiner Stelle nach ihren Fahnen.“
Das heisst, dass sie in einem genauso grossen Quadrat wanderten wie sie lagerten.“

Diese Formation ist genial! Jeder war während der Wanderung ständig Zuhause.
Sie hatten die Nachbarn, sie konnten ständig einander kontrollieren ob alle Wanderer noch da sind, oder etwas mit ihnen passiert.

40 Jahre Wanderung und doch ständig Zuhause zu sein!
 
neuer Beitrag 28.07.2008 14:00
  georggati
249 Beiträge
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 
bearbeitet durch georggati  am 28.07.2008 14:07:50)
Sacharja 8; 21 - 23: "und werden die Bürger einer Stadt gehen zur andern und sagen: Laßt uns gehen,
zu bitten vor dem HERRN und zu suchen den HERRN Zebaoth; wir wollen auch mit euch gehen.
Also werden viele Völker und die Heiden in Haufen kommen, zu suchen den HERRN Zebaoth zu Jerusalem,
zu bitten vor dem HERRN. So spricht der HERR Zebaoth:
Zu der Zeit werden zehn Männer aus allerlei Sprachen der Heiden einen jüdischen Mann bei dem Zipfel ergreifen und sagen:

Wir wollen mit euch gehe; denn wir hören, daß Gott mit euch ist."
 
neuer Beitrag 30.07.2008 21:04
  Davide
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 

Um uns das in Erinnerung zu rufen in der Mitte der 3 Wochen am Rosch Chodesch Menachem Aw starb Aaron der Kohen.Also auch leider eine sehr traurige Angelegenheit.Denke man kann sich auch noch mal Aaron vor Augen halten sein Leben.Seine Aufgaben die er hatte,seine Beziehung zu Haschem.

lg Susi

 
neuer Beitrag 31.07.2008 15:25
  Josef
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Re: Gedanken zum Wochenlesungen 
(1) Paraschat Masse
 
„Maasse Awot, Siman laBanim“
Dieser Ausspruch bedeutet zunächst „Was die Vorfahren  taten, gilt als Zeichen, dass auch die Nachkommen dies tun werden.“
In weiterer Folge wird dieser Ausspruch auch so verstanden: „Was den Früheren passiert ist, wird auch den Späteren zustossen.
 
Dies bringt uns zu unserer Parascha  Masse, in der die Rede von den Erlebnissen der Kinder Israels in der Wüste ist, von den Wanderungen (Masse Bne Israel) und Stationen.
Davor schon im Buch Schmot lasen wir von der Unterdrückung unserer Vorväter in Ägypten. Was also unseren Vätern in Ägypten und in der Wüste zugestossen ist, das ist nach unserem Lehrsatz unserem Volk später immer wieder passiert:  Vertreibungen, Wanderungen und Leiden in der Diaspora.
Man kann noch „eines drauflegen“ !
Es werden sich nicht nur frühere Ereignisse wiederholen!  Vielmehr führt die Bewältigung früherer Probleme (manchmal mit einem oder mehreren blauen Augen) zu einer Abhärtung des jüdischen Volkes, das sich auch auf die zukünftigen Generationen auswirkt!  
So  waren und sind wir Juden besser ausgestattet, kleinere und grössere Probleme zu überstehen. Und so kam es immerhin dazu, dass wir Juden nach der Tempelzerstörung fast 2000 Jahre Diaspora überlebten und so lange aushielten, bis nun wieder ein Jüdischer Staat Medinat Israel besteht.
Hiezu das Folgende:
Am kommenden Sonntag ist der erst Aw – damit beginnt eine intensive Trauerzeit vor Tischa beAw, dem Tag, an dem der Tempel in Jerusalem zerstört wurde. 
Zu den vielen Bräuchen dieser Trauerzeit gehört: man heiratet nicht, man schneidet nicht die Haare (diese gilt schon seit dem 17. Tamus), man isst an Wochentagen kein Fleisch und trinkt keinen Wein. Weiteres zu Tischa be Aw im nächsten TNN.
 

Schabbat Schalom

(2)

Diese Woche in der Tora (Num. 33,1-36,13):
Liste aller Reisestationen während der Wüstenwanderung, Gebot der Austreibung der Kana'aniter, die 6 Levitenstädte, Gesetz von der Zuflucht des Totschlägers, Bodenerbrecht für Frauen; Ende des 4. Buches Moscheh. 

"Das sind die Reisestätten der Kinder Israel, die ausgezogen aus dem Lande Ägypten... Und Moscheh verzeichnete ihre Züge nach ihren Reisestätten auf Befehl des Ewigen; und das sind ihre Reisestätten bei ihren Zügen" (Num. 33,1-2). Einmal kommen die Reisestätten vor den Zügen, und einmal die Züge vor den Reisestätten. Was soll das bedeuten?

Der eine zieht aus um zu reisen, und der andere reist um auszuziehen. Der auszieht um zu reisen hat die Reise zum Ziel. Er hat einen genauen Plan, wo er ankommen will, und zu diesem Zwecke verlässt er seinen derzeitigen Ort. Er hat keinen anderen Grund zum Verlassen seines Ortes als diesen. Demgegenüber hat jener, der reist, um auszuziehen, keine genauen Vorstellungen darüber, wo er ankommen will. Sein Hauptbeweggrund zur Reise besteht in dem Willen, seinen derzeitigen Ort zu verlassen. Aus triftigen Gründen kann er nicht länger an seinem Ort verweilen. Das Ziel der Reise ist ihm nicht so wichtig gegenüber seinem Willen, bloß weg zu kommen.

Beim Auszug aus Ägypten gab es zwei Sorten Leute. Da gab es jene, die es einfach nicht mehr in Ägypten aushielten. Das Land Israel war nicht ihr Hauptziel. Andererseits gab es jene, die als erklärtes Ziel vor Augen hatten: "Und ich werde euch in das Land bringen, welches zu geben dem Awraham, dem Jizchak und Jakov ich meine Hand aufgehoben habe; und das werde ich euch geben, als Besitz, Ich, der Ewige" (Ex. 6,8). Ihre Umsiedlung nach Ägypten war nur zeitweiliger Natur, nämlich um dem Hunger zu entgehen. Jetzt aber war die Stunde der Rückkehr gekommen, und darum waren sie bestrebt, Ägypten zu verlassen (siehe Kli jakar zum Beginn der Parscha). 

Schicksal und Bestimmung

Rabbiner A.J.Kuk drückte einen ähnlichen Gedanken aus im Hinblick auf die zwei Persönlichkeiten in der Prophezeiung Jeschajahus über die Rückkehr nach Zion: "Wer sind jene, die einer Wolke gleich fliegen, und wie Tauben zu ihren Schlägen?" (60,8). Die Wolke ist eine leblose Sache. Sie enthält keinen Lebenshauch. Sie treibt im Winde. Die Taube dagegen ist ein Lebewesen, und ihr natürlicher Instinkt führt sie zu ihrem Nest zurück. Entsprechend gibt es Juden, die von einem Sturmwind zum Lande Israel verweht wurden, und es gibt Juden, die ihrem natürlichen Streben in ihr Heim, zum Lande Israel folgen.

Rabbiner Soloveitschik nannte diese beiden Wege "Bund des Schicksals" und "Bund der Bestimmung". Diese beiden Begriffe lassen sich auf zwei Entwicklungen in der jüngeren jüdischen Geschichte anwenden. Rabbiner Zwi Kalischer, einer der ersten Vertreter der zionistischen Idee, erweckte die Herzen zur Rückkehr nach Zion, um den Tempeldienst zu erneuern. Er brachte die Idee auf, wieder das Pessach zu opfern. Zu diesem Zwecke plante er den Erwerb von Ländereien und die Ansiedlung von Juden im Lande Israel. Hier kommt der Aspekt des "ihre Züge nach ihren Reisestätten" zum Vorschein. Auch als ihm schon klar wurde, dass die Zeit für seine Idee noch nicht reif war, ließ er sich nicht abschrecken und fuhr fort mit der Unterstützung jüdischer Besiedlung im Lande. Das ersehnte Ziel behielt er weiterhin im Auge - Jerusalem.

Theodor Herzl, der eine Generation später erschien, begann von einer ganz anderen Grundlage, nämlich von dem dringenden Wunsch beseelt, die Juden vor der Gefahr des Antisemitismus zu retten, die ihnen in der Zerstreuung droht. Der Auszug war sein Ziel, nicht die Ankunft im Lande Israel. Als nämlich der "Uganda-Plan" aufs Tapet gebracht wurde, war er einer der größten Befürworter, denn die Rettung der Juden kam für ihn vor allem anderen. Er glaubte, ein jüdischer Staat sei der einzige Weg zur Rettung der Juden und der Vermeidung von Antisemitismus. - Hier haben wir den Aspekt "ihre Reisestätten bei ihren Zügen" vor uns. 

Der national-existenzielle Zionismus befindet sich in einer tiefen Krise. Die Idee, der Staat, wenn er nur erstmal zustande kommt, werde die Brennpunkte der Gefahr für jeden Juden fortschaffen, enttäuschte. Der Staat bemüht sich zwar, mithilfe der g~ttseidank starken Armee seine Bürger zu schützen, aber eben nur durch physische Gewalt. Es stellte sich heraus, dass der Staat keine Garantie bietet. Im Gegenteil, gerade unsere Existenz mitten im Herzen des radikalen Islams gefährdet uns mehr als alles andere. Zum allgemeinen Frust löste der Staat nicht das Problem der Juden, im Gegenteil - es scheint sich zu verschlimmern...

Judentum als Bestimmung

Als Sündenbock dient der religiöse Zionismus. Seine Wurzeln reichen in die Zeit vor Herzl. Er bedeutet die Fortsetzung von Rabbiner Kalischer und dessen Lehrmeister sowie des jüdischen Erbes durch die Generationen. Er strebt die Rückkehr der göttlichen Präsenz in Zion an, glaubt an die Vision vom Ende der Zeitalter und an die Bestimmung des Tempelberges als universales spirituelles Zentrum und Drehpunkt des Weltfriedens. Diese Bestrebung an sich stellt für die Randgruppen des säkularen Zionismus ein Problem dar. Nach deren Ansicht wären wir ohne sie schon lange zu Ruhe und Erbbesitz gelangt. Und überhaupt schade ihrer Ansicht nach die werteorientierte Einstellung zum Lande Israel, die sich an den heiligen Schriften und dem jüdischen Erbe ausrichtet, der Normalisierung im Nahen Osten. Gerade die bestimmungs- und werteorientierte Einstellung bilde den Kern des Problems. Wären wir nur alle pragmatische Schicksalsgenossen, die sich an den Bedürfnissen orientierten und auf die Werte verzichteten, würden wir schon lange im Nahen Osten wie in Europa leben.

Von dieser Einbildung zehren die Vertreter des existenziellen Zionismus. Sie kamen zu dem Schluss, die Siedlungen seien an allem schuld, woran das Volk Israel leidet. So wurden die Sielungen zum "Sündopfer". Wenn wir es darbringen, wird uns der große "Irrtum" unserer Existenz an sich und insbesondere an diesem schweren Standort verziehen werden. Die Zügel werden wir lösen und die Fesseln abwerfen und Friede wird sein auf Israel, und ein jeder wird unter seinem Weinstock und seinem Feigenbaum sitzen glückselig und ohne Sorgen. - Darin besteht die Tiefe der Tragödie und die Wurzel der Krise. Jede Gruppierung bedeutet eine Bedrohung für die andere.

Rabbinat und Staatshoheit

Wer in der Gründung des Staates Israel den absoluten Höhepunkt zionistischer Bestrebungen sieht, ordnet ihn etwa ein wie einen himmlischen Willen, dem alle anderen Werte unter zu ordnen sind. Der Staat über alles. (Erinnert das nicht an faschistische Parolen?...). Jeder, der seine Werte aus einer anderen Quelle bezieht, schadet sozusagen dem Staat. Der Kontrast wird noch schärfer, wenn man den Staat als menschliche Oberhoheit definiert, deren Werte aus dem Bereich des über-Menschlichen stammen. Die (künstliche und über alle Proportionen aufgeblasene) Dichotomie zwischen Rabbanut und Ribonut, Rabbinat und Staatshoheit, ist nach dieser Einstellung unvermeidbar. Die wesentliche Frage lautet: Auf welche Quelle stützt sich die Autorität des Staates, auf die Notwendigkeit oder auf den Grundwert, auf das Schicksal oder auf die Bestimmung, auf den Menschen oder das Land? Wer definiert die Staatsgrenzen? Die ewigen Schriften, oder eine Regierung, die sich alle paar Jahre abwechselt und jedesmal aufs Neue den Flächenbedarf des Staates nach eigenem Gutdünken fest legt?

Diese Schilderung wurde absichtlich unter Verzicht auf Genauigkeit scharf konturiert, um die Tiefe der Krise der israelischen Gesellschaft zu verdeutlichen. In Wirklichkeit glimmen unter der Asche immer noch Ansätze wertorientierter Beziehungen zum Lande und spiritueller Bestrebungen. Es gibt immer noch Überreste jener, die hier eine gerechtere und gleichberechtigte Gesellschaft schaffen wollten. Es gibt immer noch einige Wenige, die von einer kulturellen Renaissance im Lande reden. Jene gleichen allerdings glimmenden Kohlen. Leider bemächtigten sich extreme Randgruppen der Zentren des Einflusses, insbesondere der Massenmedien. Der religiöse Zionismus bewies, dass er sich trotz seiner bestimmungsorientierten Ideologie nicht vom "Bund des Schicksals" trennt. Er sagt nicht: "Zerteilt es [das Kind]!" (siehe Kö.I, 3,16ff.), und darum ist er "die wahre Mutter", die die Führung übernehmen muss.

Aufbrechen und lagern

Die weitere Existenz des Volkes Israel hängt von seinem Streben zu seiner Bestimmung ab. Das jüdische Volk ist keine Notvereinigung unter blindem Schicksal, ohne jede Chance und Bedeutung. Es bedeutet vielmehr einen "Bund der Bestimmung". Es verfügt über eine Vision, über Glauben und Motivation gegenüber jenen, die über das schwere gemeinsame Schicksal klagen, aber keinen Finger rühren, das jüdische Volk zu seiner Bestimmung zu führen, weder in kultureller, noch in gesellschaftlicher und moralischer Hinsicht, noch nicht einmal in politischer und verteidigungsstrategischer Hinsicht. Jene geben sich westlicher Subkultur hin (nicht der westlichen, an positiven Werten orientierten Kultur) und trennen uns von der Wiege unserer eigenen Kultur und unseren Lebensquellen. Ohne eigenes Verschulden fehlen ihnen die Wurzeln und darum haben sie auch keine Hoffnung für die Zukunft. Sie stecken in tiefer Verzweiflung. Darum bleiben ihnen nur zeitweilige Lösungen, an die sie sich klammern wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Die einzige Hoffnung für den Staat Israel bilden jene, die ihn vor dem Absinken schützen. Denn ohne Bestimmung gibt es kein Schicksal, "und ohne Offenbarung wird das Volk zügellos" (Sprüche 29,18). Wer den "verdorrten Gebeinen" neues Leben einhauchen kann, das ist nur die Öffentlichkeit, die die Bestimmung mit dem Schicksal zu verbinden versteht und sich von niemandem abtrennt.

Die schwierige Realität, mit der wir leben, und die sich auf absehbare Zeit noch verschärfen wird, verlangt nach großen seelischen Kräften und einem unerschütterlichen Geist, ohne die sich auch unsere Existenz gar nicht ermöglichen ließe. Diese große und entschlossene Öffentlichkeit voller Glauben und Hoffnung widerstand allen Krisen und Enttäuschungen, zerbrach nicht daran und wird auch weiterhin nicht zerbrechen, denn das ist überhaupt unmöglich. Im Gegenteil: "Doch wie sie dasselbe drückten, so mehrte es sich und so breitete es sich aus" (Ex. 1,12). Sie fällt und steht sogleich ermutigt wieder auf, denn sie schöpft ihre Kraft aus den Versen des Wochenabschnitts, den wir diesen Schabbat lesen werden: "Und ihr sollt austreiben (die Bewohner) des Landes und sollt darin wohnen; denn euch habe ich das Land gegeben, es zu besitzen" (Num. 33,53).

LG

Halevi,

die nächsten 2 Wochen bin ich nicht da.

 
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